Grösser als Wankdorf-Stadion – Berner baut privates Gross-Solarkraftwerk – und braucht Geduld – News



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Eine Solaranlage der Superlative hat Rudolf Buri im Emmental erstellt. Die Planung verzögerte sich, weil das Stromunternehmen am Limit war.

Die Dimensionen des privaten Solarparks von Unternehmer Rudolf Buri sind immens. Auf einer Fläche von zwei Fussballfeldern sind unzählige Solarpanels auf den Dächern und Fassaden von Gewerbehallen installiert.

Die Photovoltaik-Anlage in Hasle bei Burgdorf (BE) erzeugt jährlich Strom für rund 550 Haushalte. Mit 1.9 Millionen Kilowattstunden ist das mehr Leistung als etwa das Solarkraftwerk, welches auf dem Dach des Wankdorf-Stadions in Bern steht. Es ist sogar ein mehrfaches mehr an Energie als die Photovoltaik-Anlage der BKW (Bernische Kraftwerke) auf dem Mont-Soleil.

Solarpanels

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Unzählige Solarmodule produzieren auf dem Dach des Gewerbeparkes in Hasle bei Burgdorf Sonnenstrom.


zvg

«So eine Anlage hat man in der Schweiz so noch nicht gesehen», sagt Leonore Hälg von der Schweizerischen Energiestiftung. «Es ist ein Projekt der Superlative», sagt auch Dominik Schütz vom Berner Energiekonzern BKW.

Strom geht direkt zu Kieswerk

Der Clou der Anlage, welche seit Ende 2022 in vollem Umfang am Netz ist: Die Panels liefern gleich Energie für das nur 200 Meter entfernte Kies- und Belagswerk.

Porträt von Rudolf Buri

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Der Emmentaler Unternehmer Rudolf Buri hat eine «Solaranlage der Superlative» gebaut.


SRF/Aline Langenegger

Dessen Geschäftsführer Hannes Buchs überlegt sich nun sogar, wegen des Solarstroms die Betriebszeiten anzupassen. Und am Mittag zu produzieren, wenn die Solaranlage am meisten Leistung liefert.

Mit der BKW ging es zu langsam vorwärts

Eitler Sonnenschein herrschte aber nicht immer beim Solarprojekt von Unternehmer Buri. Die Zusammenarbeit mit der BKW sei anfangs sehr schwerfällig gewesen. «Wir sind bei der Planung oft ins Leere gelaufen.»

Fabrikhale mit Solaranlage auf dem Dach

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Selbst an den Dachrändern des Gewerbeparks sind Solarpanels montiert.


SRF/Aline Langenegger

Der Knackpunkt: Der Solarpark ist vom normalen Stromnetz abhängig. Denn die überschüssige Solarenergie des Unternehmers fliesst in das BKW-Netz. Deshalb müssen Stromleitungen verstärkt werden. Produzieren die PV-Anlagen hingegen zu wenig Strom, bezieht er weiter Strom von der BKW.

Politik kritisiert lange Wartezeiten bei Netzanschluss


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Sei es an Trafostationen oder Leitungen: Werden Solaranlagen ans Netz angeschlossen, dauert dies lange. Wartezeiten von bis zu einem Jahr sind möglich. Wegen der Verzögerungen sind Berner Grossräte aktiv geworden. Per Vorstoss thematisierten sie die Hindernisse beim Netzanschluss. Die BKW habe verschiedene «regelkonforme» Möglichkeiten, den Anschluss zu beschleunigen. Die Regierung sah keinen Handlungsbedarf: Die BKW habe in den letzten beiden Jahren im Schnitt 3000 Solaranlagen pro Jahr an das Netz angeschlossen. 2019/2020 sei dieser Wert noch halb so hoch gewesen. Es liege kein Versäumnis vor.

Dominik Schütz von der BKW verteidigt die langen Wartefristen. Man habe eine Rekordzahl von Anfragen registriert. «Alle müssen warten, bis sie an der Reihe sind. Die Prozesse brauchen einfach seine Zeit.»

Solarzellen

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Solarzellen produzieren um die Mittagszeit am meisten Energie. Dann wird überschüssiger Strom in das Netz eingespiesen.


Keystone/Gaetan Bally (Symbolbild)

Gerade, weil die Anlage von Ruedi Buri viel Expertise benötigt habe, benötigte die BKW Zeit. Zudem habe man schon vor fünf Jahren eine Ausbildungsinitiative gestartet und mehr Lehrplätze geschaffen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuhalten und zusätzliche Kapazitäten aufzubauen.

Happy End nach Weihnachten

Für Ruedi Buri gab es aber ein Happy-End. Ausgerechnet in der Altjahrswoche – also während der Feiertage – konnten BKW-Angestellte seine Gross-Solaranlage ans Netz anschliessen. «Da muss man der BKW doch noch ein Kränzchen winden», so Buri. Dieser will übrigens nicht verraten, wie viel seine Anlage gekostet hat.

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